Pézenas: Modernes Leben und alte Fassaden

        Wenn man den Fremdenführern glaubt, ist Pézenas eine Stadt, die im Zeichen ihrer Geschichte lebt. Und es ist wahr, dass es nur wenige Orte gibt im Languedoc, deren Geschichte so bewegt war, wo Armut und Unterdrückung mit Ruhm und Reichtum abwechselten.
 
 
 
 
        Doch Pézenas ist nicht nur Geschichte. Seine alten Straßen, geprägt von mittelalterlichen Fassaden, alten Türmen und handgearbeiteten Türen, sind von modernen Menschen bewohnt, die das Languedoc von heute repräsentieren. Viele von ihnen leben vom Tourismus, und viele sind echte Künstler, deren Ateliers sich zwischen Kleidungs- und Souvenirläden „verstecken”, doch dem Kenner oft verblüffend schöne, originelle und technisch perfekte Werke bieten.
 

Tourismus: Kaffeeterrassen in Pézenas
 
 

Jacques Coeur, Geschäftsmann in Pézenas

 
 
        Einer der ersten - und wichtigsten - Geschäftsleute, die von den Marktvorteilen von Pézenas angezogen wurden, war der berühmte Jacques Coeur. Nachdem er sich in Montpellier und schließlich in Pézenas niedergelassen hatte, bahnte er als erster französischer Kaufmann Beziehungen mit dem Orient an - vor allem auf dem Waffensektor. Das Vermögen, das er unter anderem mit seiner Filiale in Pézenas erwarb, erlaubte ihm später, König Karl VII. bei der Wiedereroberung der Gebiete zu unterstützen, die unter englische Herrschaft gelangt waren... und zum Volkshelden zu werden.
 
 
 

Molière, der Dichter von Pézenas

 
        Doch der berühmteste Sohn der Stadt ist zweifellos der umstrittene Dichter Molière. In Pézenas heißt es, dass Jean-Baptiste Poquelin (bürgerlicher Name von Molière) natürlich in Paris geboren wäre. Aber der wahre Künstler Molière sei in Pézenas zur Welt gekommen.
 
 
 

Herrenhäuser und der Bader Gély

 
        Die meisten der Fassaden im alten Zentrum von Pézenas stammen aus der Zeit des 16. bis zum 18. Jahrhundert. Selbst das Gebäude, wo einst die Gouverneure tagten, ist noch sichtbar. Und wer in den Fußstapfen von Molière wandeln möchte, kann wie er seine Zeit im alten Laden des Baders Gély verbringen, der bis heute erhalten blieb.
 
 
 
 
 
 
       Schon ab 1262 erlebte Pézenas seine erste Blüte. Denn unmittelbar nach den Kreuzzügen, während deren Vorbereitungsphase Ludwig IX. den Süden Frankreichs entdeckte, wurde der Ort zu königlichem Gebiet erklärt. Ein immenser Vorteil für die Bewohner: der Herrscher gab Pézenas das Privileg, jede Art von Märkten abzuhalten. Die Kaufleute kamen von nah und fern und sorgten für den Reichtum der Stadt.
 
 
 
       Die nächste Welle des Wohlstands kam mit einer Frau, Anne aus der Familie der Montmorency, die von François I. zur Gouverneurin ernannt wurde. Unter ihrer Herrschaft - und der ihrer Söhne - wurden viele der Herrenhäuser gebaut, die noch heute die Straßen von Pézenas säumen. Alles ging gut bis die Familie im 17. Jahrhundert in Ungnade geriet und ihr Schloss von den Truppen des Königs zerstört wurde.
 
 
 
Mittelalterliche Straße in Pézenas