Aniane, Kultur und Feste im Hérault-Tal

        Wie bei der Gründung von Puéchabon, so hat Karl der Große auch in den Anfängen von Aniane eine wichtige Rolle gespielt. Doch, im Gegensatz zu etlichen anderen Orten im Hérault-Tal, wurde Aniane nicht von Mönchen gegründet, sondern von einem Sohn des Grafen von Maguelone. Doch auch bei ihm steckten religiöse Absichten dahinter - sein Ziel war nicht, einen Ort zu erschaffen, sondern ein Kloster aufzubauen.
 

Aniane, Stadt der Blumen und Torbögen
 
 
 

Flohmarkt, Festivals und Brauchtümer

 
        Heute ist Aniane ein kleiner, beschaulicher Ort, offen nach Montpellier und den großen Kulturstätten des Hérault-Tals, mit aktivem Kulturleben. Im Mai spricht man überall von seinem Riesen-Flohmarkt, und über das ganze Jahr verteilt finden mehrere Festivals statt. Das Dorf hat auch einige Bräuche beibehalten, die heute im Rahmen von Volksfesten gefeiert werden, wie zum Beispiel die Nacht, wo - im Gedenken an den Aufstand der Protestanten - alle Bewohner weiße Hemden anziehen und mit Fackeln durch die Straßen ziehen.
 
 
 
 

Wissenschaft für Jedermann in Aniane

 
        Wenn Aniane bei seiner Gründung dem religiösen Himmel nahestand, so kennen seine Bewohner sich heute mit dem astronomischen Himmel aus. Das Observatorium von Aniane wurde 1976 von einem Astronomen aus der Normandie gegründet, Pierre Bourge. Er wollte einen Tempel der Wissenschaft gründen, der den Amateuren, den Schülern und der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung steht - Astronomie sollte ein Freizeitspaß für alle werden.
 
 
 
 

Ein Themenpark der Wissenschaft

 
        Er hatte solchen Erfolg, dass sein Observatorium 1990 zum wichtigsten Amateur-Observatorium von Frankreich erklärt wurde und Besucher aus Frankreich und dem Ausland anzog. So hat niemand verstanden, warum der Verein, der es inzwischen betreute, sich 2006 zurückzog und alle Aktivitäten einstellte. Doch heute hat es seine Pforten wieder geöffnet und ist zum Themenpark mit immerhin sieben Kuppeln geworden.
 
 
 
 
 
        Mit 28 Jahren, nach einer kurzen Militärkariere, beschloss Witiza, der junge Graf, seine Idee zu realisieren. Die erste Hütte seines Klosters baute der zukünftige Heilige Benoît d'Aniane auf dem Grund seines Vaters, an einem kleinen Fluss. Den nannte er Anio, nach dem Fluss, an dem sein Vorbild, der Gründer des Ordens der Benediktiner, sein Werk begonnen hatte - woraus später Aniane wurde. Etwas später kam dann Karl der Große ins Spiel: ihm gefiel die Aktion des neuen Heiligen und er nutzte seine Macht, um dem Kloster gewisse Privilegien zuzusprechen.
 
Die Torbögen von Aniane
 
 
       Nach etlichen Naturkatastrophen - zum Beispiel einem großen Frost im Jahre 1721, der die Landwirtschaft lahm legte, mehreren Choleraepidemien und Zerstörungen während der Revolution - lebten die Bewohner von Gerbereien, die von Puéchabon mit Tannin beliefert wurden. Auf diese Weise wurde Aniane zu einem relativ wohlhabenden Ort. Inzwischen ist er für seinen hervorragenden Wein bekannt.