Die unbändige Natur von Saint-Jean-de-Fos

        Wie fühlte sich ein Pilger, wenn er, schon vor hunderten von Jahren, auf dem Jakobsweg durch die Schluchten des Hérault-Tals zog, die Teufelsbrücke überquerte und schließlich in Saint-Jean-de-Fos Unterkunft fand? Beeindruckte ihn die unbändige Natur oder beunruhigte sie ihn? Erinnerte sie ihn daran, dass die Natur so viel stärker ist als der Mensch, der, allein mit den Naturgewalten im Hérault-Tal, seine Grenzen findet?
 

Kapelle bei Saint-Jean-de-Fos
 
       Die Teufelsbrücke von Saint-Jean-de-Fos bietet weit und breit den einzigen Übergang über den Hérault, der hier zu Regenzeiten zu einem Wildwasserfluss anschwillt. Die wilde Natur der Felsschluchten beeindruckt oder erschreckt auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick ist man von ihrer Schönheit gefangen: Wind und Wasser haben hier über Jahrtausende hinweg ihre unvergänglichen Spuren in den Fels gemeißelt, Höhlen wie die berühmte Grotte de Clamouse gegraben und den Fluss in unzählige Nuancen von grün, blau, gelb und rot getaucht.
 
 

Fauna und Flora in den Felsschluchten des Hérault-Tals

       Die Schluchten des Hérault sind bekannt für ihre Pflanzenvielfalt, die, unberührt von Industrie und Umweltverschmutzung - gefährdet nur durch den Tourismus -, noch intakt ist. Trotz ihrer Lage im Inneren des Languedoc entspricht die Flora einer typischen, doch eigenwilligen Mittelmeerlandschaft. Man findet hier die seltene Mittelmeer-Pinie, die nach ihrem Entdecker Salzmann-Pinie genannt wurde oder das Cyclamen balearicum, eine Blume aus der Familie der Alpenveilchen, die nur auf den Balearen und an einigen wenigen Plätzen in Südfrankreich beheimatet ist.
 
 

Die ständigen Bewohner der Felsschluchten

       An einem heißen Sommertag wirken die Schluchten auf den ersten Blick unbewohnt. Doch wer sich die Zeit nimmt, zu beobachten, entdeckt eine reiche Fauna, wie sie nur selten zu finden ist. Fledermäuse und Reptilien teilen sich die Felsen, im Wasser tummeln sich Fischotter, umschwirrt von Libellen und hunderten von anderen Insekten, und selbst der seltene Habichtsadler ist hier noch zu Hause.
 
 

Sport und Besinnung im Hérault-Tal

       Das Wildwasser in den Schluchten des Hérault-Tals mit seinen eigenartig geformten Felsen und natürlichen Steinfiguren eignet sich hervorragend zum Kanufahren. Doch auch der Spaziergänger kommt hier auf seine Kosten. In der Landschaft, die auf den ersten Blick so karg scheint und in Wirklichkeit doch so reich ist, findet er die Ruhe, die nur die Einsamkeit in der Natur bringen kann, wo kein Laut seine Gedanken stört - außer dem Konzert der Vögel, des Wassers und des Windes.