Sommières
 
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Schloss von Sommières: 300 Jahre alte Graffiti

       Interessante Erkenntnis im Schloss von Sommières: Graffiti gibt es nicht erst seit dem 20. Jh.: während der Ausgrabungen von 2013 fand man Graffiti, die eindeutig mehr als 300 Jahre alt ist und vermutlich von den protestantischen Häftlingen stammt, die während der Religionskriege dort eingesperrt waren. Die Forscher konnten etliche Namen entziffern, darunter auch den Namen eines Schiffes, das damals in Marseille lag.
 
       Das Schloss ist zwar seit Sommer 2015 wieder für Besucher geöffnet, doch kaum einer ahnt seine extrem bunte Vergangenheit. Ursprünglich wurde es für Ludwig IX. gebaut, den sogenannten „Heiligen”, auf der Straße seiner Kreuzzüge. Später diente es als Gefängnis, Festung und zuletzt sogar als Wasserreservoir - das jedoch demnächst einem Andenkenladen weichen soll.
 
 
 
Das Schloss über Sommières
 
 
 
 

Mittelalter: Wohlstand auf Brückenpfeilern

       Dank dem Vidourle und der römischen Brücke brachte es Sommières im Mittelalter als „Lederstadt” zu einem gewissen Wohlstand, dem wir den Bau vieler seiner Patrizierhäusern verdanken. Dabei spielte vor allem die Länge der Brücke eine ausschlaggebende Rolle: da das Zentrum von Sommières eigentlich im Flussbett liegt, könnten „normal” konstruierte Häuser die überschwemmungen kaum überdauern.
 
Brücke über Vidourle
 
 
 
 
       Doch die Bewohner von Sommières hatten eine Idee: sie bauten ihre Wohnungen nicht zu ebener Erde, sondern erhöht, direkt auf den Brückenpfeilern, und richteten ihre Werkstätten teilweise sogar im Inneren der Pfeiler ein. Auf diese Weise sind sie weitgehend geschützt vor den gefürchteten Vidourlades.
 
 
 
       Als der römische Kaiser Tiberius im I. Jh. die Brücke über den Vidourle bauen ließ, war das zukünftige Sommières kein unerschlossenes Gebiet mehr. Man fand Spuren einer ersten Ansiedlung, die in der Altsteinzeit konstruiert und schon vor den Römern durch ein antikes Dorf ersetzt worden war. Im X. Jh. entstand dann ein neuer Ort rund um die Brücke - die damit zum Zentrum der späteren Stadt Sommières wurde und es bis heute blieb.
 
 
 
Turm von Canet im Hérault
 
 
 
 
       Deshalb irrt sich der Besucher von Sommières, wenn er glaubt, er könnte alle Pfeiler der berühmten Brücke betrachten. In Wirklichkeit sind nämlich nur sieben der vermutlich zwanzig Pfeiler über dem Vidourle sichtbar - die anderen sind seit bereits 800 Jahren überbaut und verschwinden in und unter den Häusern.
 
       Denn auch wenn die Brücke auf den ersten Blick relativ kurz erscheint, so ist sie doch 190 Meter lang und vertritt einen extrem raren Stil: wie die Ponte Vecchio in Florenz gehört sie zu den nur rund fünfzehn bewohnten Brücken Europas.