Montpellier: Moderne Bauten und alte Steine

       Montpellier hat sich ohne Zweifel sehr verändert. Aus der behaglichen Provinzstadt ist in weniger als 50 Jahren eine Weltstadt geworden. Daran sind die ehrgeizigen Bauprojekte des Bürgermeisters George Frêche sicher nicht ganz unschuldig: so entstand das Antigone Ende der 70er Jahre und das Corum Ende der 80er Jahre. Seinen letzten „Treffer” erzielte George Frêche 2011, kurz nach seinem Tod, mit der Einweihung des von ihm geplanten, hochmodernen Rathauses, das mit seinen 1300 Quadratmetern an Photovoltaik-Modulen als europaweites Beispiel für ökologisches Bauen gilt.
 

 
 
Place de l'Europe, Montpellier
 
 
 
 

Antigone, griechische Imitation mit Perspektive

       Das Antigone mit seinen modernen Hochhäusern, der Landesregierung und der Infrastruktur an Läden und Restaurants war eines der ersten großen Bauvorhaben des modernen Montpellier unter Georges Frêche. Es wurde dem berühmten katalanischen Architekten Ricardo Bofill anvertraut. Noch heute streiten sich Bewohner von Montpellier und Kenner der Architektur des 20. Jahrhunderts über den Geschmack des Bauherrn und seines Architekten: die Anlage gilt als moderne Imitation des antiken griechischen Stils. Die Anordnung der Gebäude gibt den Blick auf eine 900 Meter lange Perspektive frei, vom Polygone bis zu den Ufern des Lez.
 
Montpellier Corum
 
 
 
 

Das Corum, Kongresszentrum und Opernhaus

 
       Als der erste Teil des neuen Kongresszentrums von Montpellier 1988 eingeweiht wurde, war es - wie so viele Projekte von George Frêche, sehr umstritten. Die Bewohner der Stadt hatten natürlich nichts gegen ein Kongresszentrum und, nebenbei, ein neues Opernhaus, nachdem die klassische Oper am Platz der Comédie nicht mehr dem modernen Standard entsprach. Doch es hieß, der Bürgermeister hätte ein billigeres Konzept wählen können. Wie stets entschied er sich für einen der bekanntesten Architekten Europas, den gebürtigen Elsässer Claude Vasconi, der für die Verkleidung des Gebäudes rosa Granit aus Finnland kommen ließ, während im Inneren eine Freskomalerei von Hervé di Rosa zu sehen ist. Das Corum verfügt über drei Säle von 318 bis 2000 Sitzplätzen, wo eine Akustik herrscht, die als eine der besten der Welt gilt und Opern- und Konzertveranstaltungen mit den bekanntesten und anspruchsvollsten Künstlern nach Montpellier zieht.
 
 
 
 
 
 
 
       Dabei war Montpellier ursprünglich eine Stadt mit alten Patrizierhäusern, historischem Zentrum, typischen Hinterhöfen und gotischer Kathedrale, wo sich alles, was als modern galt, außerhalb der Stadtmauern abspielte.
 
 
Montpellier Patrizierhäuser
 
 
       Die Altstadt von Montpellier wird von der königlichen Promenade du Peyrou dominiert, eine Anlage mit Wasserturm und Reiterdenkmal von König Ludwig XIV., die 1689 zu Ehren des Herrschers und zur Freude der damals königstreuen Bewohner von Montpellier errichtet wurde. Bei der Einweihung des Denkmals wurde ein Edikt verhängt, nach dem kein Gebäude in Montpellier je höher sein dürfe als die Statue.
 
 
Montpellier Altstadt
 

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