Blüte und Niedergang der Abbay de Gellone

       Die Schönheit und Eleganz der Abtei von Gellone - genannt nach dem Tal, wo sie errichtet wurde - ist schon an sich ein Grund für einen Besuch in St-Guilhem-le Désert. Doch, was viele nicht wissen, die Steine, die man heute bewundern kann, sind nur Imitationen.
 
 
 
 
 
       Wie so viele Gotteshäuser in Frankreich wurde auch die Abbay de Gellone in der Revolution beschlagnahmt und, schließlich, an ein Mitglied des „Volkes” verkauft, das dort eine Spinnerei einrichtete. Doch sein Unternehmen ging bald pleite, und der Besitzer zog nach Aniane - wo er einen neuen Konkurs erlebte. So kamen die Angebote, Teile der Abtei aufzukaufen, gerade recht. Sie wurde in verschiedene Gebäude unterteilt, ein Teil der Steine - und Statuen - wurde abtransportiert und landeten auf Privatgrundstücken, andere wurden gestohlen.
 
 
 
Schloss des Riesen in St-Guilhem-le-Désert
 
 
 
 

Guilhem und das Schloss des bösen Riesen

       Hoch oben auf dem Berg, an einem heute unzugänglichen Ort, thronen die Reste des „Château du Geant”, des Schlosses des Riesen, auch „Château de Verdun” genannt. Man sagt, Guilhem hätte nach dem Bau der Abbay de Gellone nur noch ein einziges Mal zu den Waffen gegriffen: um den Ort von dem Riesen zu befreien, der seine Bewohner terrorisierte. Natürlich hat der Riese ihn und sein legendäres Schwert „Joyeuse”, die Fröhliche, nicht ernst genommen, und so war es ein leichtes für den Helden, den Riesen zu besiegen.
 
 
St-Guilhem-le-Désert: alte Brücke
 
 
       Um 1840 versuchte ein Pfarrer, Leon Vinas, zu retten, was zu retten war, und mit Hilfe des Vereins für Archäologie gelang es ihm, einen Großteil der verloren Steine wieder zu vereinen - was dann den Verkauf des (fast) gesamten Klosters an das Cloisters Museum in New York ermöglichte, wo man es heute in seiner alten Pracht bewundern kann.
 
 
 
Mittelalterliche Straßen von St-Guilhem-le-Désert
 
 
 
 
       In Wirklichkeit weiß man allerdings nicht so genau, wer das Schloss gebaut hat, dessen Zugang nach mehreren Bergrutschen so gefährlich geworden ist, dass er heute verboten ist. Man nimmt an, dass es aus dem Mittelalter stammt und Teil der Anlage zur Verteidigung von St-Guillem-le-Désert war.
 
 
 
 
 
       Die Architektur von St-Guilhem-le-Désert entspricht eindeutig dem Stil des Mittelalters mit seinen engen, winkligen Gassen. Der Ort besteht aus einer langen Straße von der mehrere kleinere Nebenstraßen abzweigen, die alle dem Flusslauf des Verdus folgen und sich schließlich zu einem großen Platz vereinen. Hier spendet eine riesige Platane Schatten, die schon im Jahre 1855 gepflanzt wurde.